Endlich Mumbai (Kapitel 1)

Doris´ Geburtstagsgutschein.

Die Spitzenläufer beim Essen im Veranstaltungshotel Trident.

Die Perlenkette bzw. an der Promenade vor dem Hotel.

Die indische Trainingsgruppe: fast jeder möchte ein Foto mit den "Aliens"

Hirens Auftritt beim Moderator.

Partytime am Hotelpool.

Im Wohnzimmer von Hirens Schwester und Schwager

Wird komplett ignoriert!

Das Taj Mahal

OK, die Perser wussten schon im 17. Jahrhundert Bescheid.

Taxi gefällig?

Meditationsstätte Lotustempel.

Nachdem Hiren - unser indisches Clubmitglied und einer der wenigen, die an bislang allen Mumbai-Marathons teilgenommen hat - schon vor Jahren fragte, ob ich nicht auch mal mit zum Mumbai kommen wolle, hat es nun endlich geklappt. Und in bewährter Praxis als Geburtstagsüberraschung für meine Göttergattin Doris - die ahnte trotz 5-monatiger Vorlaufzeit nichts. Weder die konspirativen Treffen mit Hiren, das Verschwinden des Reisepasses (für das indische Visum), das diskrete Urlaubsgesuch bei ihrem Chef noch die Abbuchungen der Fluggesellschaft für die Flüge ließen sie Verdacht schöpfen. Und so war das Auspacken des Reisegutscheins (Vorderseite! Zur Rückseite komme ich im zweiten Teil des Reisebericht) eine tränenreiche Überraschung.



Noch 10 Tage arbeiten und Vorbereitungen (Impfungen, Essen- und Terminpläne für die Mädels - dann ging es endlich los. Mit dem Taxi Donnerstag morgens Hiren abholen und dann von Hamburg via München nach Mumbai. Dort kommen wir kurz vor Mitternacht am internationalen Flughafen an.

Wir fahren direkt ins offizielle Veranstaltungshotel Trident, das wir auf Hirens Empfehlung gebucht hatten und in dem auch die Topläufer wohnen. Das war ein genialer Tipp, weil hier jeden Mittag und Abend für die Spitzenläufer läufergerechte Mahlzeiten in Buffetform serviert wurden.

Am Freitagmorgen laufen wir gemeinsam mit Hunderten an der Perlenkette Mumbais an der Promenade vom Hotel in Richtung Norden.

Das werden am Sonntag beim Marathonlauf die Kilometer 2 bis 4 sein, wie uns dieses Schild bereits ankündigt.

Wir treffen das Team M&M aus Potsdam (Marion und Mike), die ein WENIG überrascht wirken, uns hier zu sehen.

Außerdem trifft sich hier eine indische Trainingsgruppe, deren Mitglieder alle ein Foto mit uns machen möchten. Besonders unsere absolvierten 100km-Läufe in Biel sind hier höchst angesehen.


Für den Nachmittag hat Hiren Termine mit 2 Zeitungen vereinbart. Es werden Lauffotos gemacht und Interviews gegeben.
Die Berichte erscheinen am Samstag in 2 Tageszeitungen, so dass wir sowohl auf der Marathonmesse als auch beim Marathonlauf am Sonntag immer wieder angesprochen werden, weil man uns aus den Zeitungsberichten wiedererkennt.

Das Abholen der Startunterlagen auf der Marathonmesse wird das nächste Fotoshooting.

Als der Moderator das Publikum fragt, wer denn schon öfter in Mumbai gelaufen wäre, steht der high score bei 9, so dass wir Hiren (bis dato 11 Teilnahmen) nach vorne schicken.
Großes Hallo, als er berichtet, dass er alle bisherigen Mumbai-Marathons mitgelaufen ist. Noch größeres Hallo, als er erzählt, dass er Gäste aus Deutschland mitgebracht hat, die morgen ihren 276. (Doris) und 400. (ich) Marathon laufen werden.

Gerüchteweise soll auch die Wimbledon-Siegerin 2013 auf der Bühne gewesen sein - die Fotos wollten die Leute aber mit uns machen!

Danach ging es wieder ins Hotel, wo uns bereits das Führungsfahrzeug erwartet und wir nach dem Abendessen noch die Strategie für den Wettkampftag abstimmen.

Der Start findet am Hauptbahnhof CST statt. Wegen der Temperaturen und Luftfeuchtigkeit bereits um 5:40 Uhr. Der ganze Startbereich ist hermetisch abgeriegelt und jeder Sportler muss durch einen Detektor gehen und wird von Sicherheitskräften abgetastet. Da es zu dieser Zeit noch dunkel ist, wirkt diese Prozedur etwas gespenstisch. Nach dem Passieren unseres Hotels geht es über die große Hängebrücke nach Norden beinahe bis zur Mall, an der wir am Vortag die Startunterlagen erhalten haben. Bei km 9 und auf dem Rückweg bei km 36 wartet Hirens Schwester mit kleinen süßen Bananen auf uns. Die zeitgleich an unserem Wendepunkt gestarteten Halbmarathonis, die teilweise sehr früh zu gehen anfangen, machen das freie Laufen ab km 30 nicht einfacher. Noch schwieriger dürfte es für die Spitzenathleten sein, denn die starten erst um 7:00 Uhr, damit eine Fernsehübertragung bei Tageslicht möglich ist. Ich treffe sie, als sie bei ihrem km 10 sind- und sie werden mich an diesem Tag nicht überholen. Trotz der steigenden Temperatur, kann ich mein Tempo relativ hoch halten und finishe meinen 400. M/U mit der passablen Zeit von 3:23 h:mm.

Dann beginnt das große Warten, denn im gesamten Zielbereich herrscht ein großes Durcheinander. Das war von Hiren bereits avisiert worden, so dass wir den Treffpunkt kurz hinter dem Ziel vereinbart hatten.
Marion (HM in 2:34) war bereits da, danach trudelten Hiren (4:58), Doris (5:05) und Mike (5:06) ein.

Jetzt geht die Jubiläumsfeier los und ich fühle mich stark von Per Mertesacker (moves) und Thomas Müller (Medaillen über den Ohren) inspiriert, als sie nach dem gewonnenen WM-Finale das Hotel rocken.

Auf dem Weg zum Hotel, feuern wir die Läufer an, die sich auf dem letzten Kilometer vor dem Ziel befinden. Sie nehmen den Applaus dankbar an.

Nach Dusche und Regeneration treffen wir beim Mittagessen die Spitzenläufer im Speisesaal. Da wir den Belgier Stijn Fincioen bereits am Vortag getroffen hatten, kommen wir ins Gespräch. Die Afrikaner am Tisch kommen bei der Zahl unserer absolvierten Marathons nicht mehr aus dem Staunen und sind auf einmal sehr interessiert, Fotos mit uns zu bekommen.


Da Laufen aber bekanntlich nicht alles ist, haben wir auch Land und Leuten kennengelernt!

Bei der bereits genannten Schwester von Hiren und ihrem Mann waren wir zum Essen eingeladen: sehr lecker und ganz herzlich, als kannten wir uns schon lange Zeit.


Wir besuchen einen Park, in dem ein abgelegener Teil als Ruhestätter für verstorbene Parsi dient und das Haus, in dem Gandhi viele Jahre lebte,

Mitten in der Stadt gibt es eine riesige Wäscherei im Freien, in der uns Hiren erläutert, dass hier "stone washed" erfunden wurde, indem die nassen Jeans auf die Steine geschlagen werden.


Der Straßenverkehr ist atemberaubend, laut (ständiges Hupen) und sehr "wild". Fußgänger, Radfahrer, Mopeds, Lastkarren, PKWs, LKWs und Busse teilen sich die Straßen.

Am nächsten Morgen fliegen wir weiter nach Delhi, denn das bekam ich schon bei den ersten Ideen vor Jahren zu hören: "Nur für den Marathon nach Indien ist ein bisschen weit. Ich will dir mindestens noch das Taj Mahal zeigen."
Von dort fahren wir sehr früh morgens mit einem Mietwagen mit Fahrer nach Agra zum Taj Mahal. Die Fahrt führt über eine sehr gut ausgebaute Autobahn, auf der diszipliniert gefahren wird und es gibt vernünftige Raststätten.

Leider ist es diesig. Das eröffnet den Blick für die Feinheiten der persischen Steinmetze. Die wussten augenscheinlich bereits anfangs des 17. Jahrhunderts, welchem Fussballverein gehuldigt werden sollte.

Vor der Grabstätte, in der Stadt - überall sitzen, rennen und springen Affen frei herum.

Wer die wenigen Hundert Meter vom Parkplatz zur Grabstätten nicht laufen möchte, lässt sich in einer Kutsche vom Kamel ziehen.

Zurück in Delhi wurde unsere Stadtrundfahrt beinahe Opfer der Straßenabsperrungen anlässlich der Vorbereitungen der Feiern des Unabhängigkeitstages mit Besuch von Obama  - das will uns zumindest unser Stadtführer erzählen, den Hiren aber eines besseren belehrt.

Hier besuchen wir die letzte Wohnstätte Gandhis, der in Delhi erschossen wurde.

Die Stadtrundfahrt führt uns auch zum Roten Fort und den Lotustempel, im dem 2.500 Menschen Platz finden, um zu meditieren - alle Religionen sind willkommen.


Die Unabhängigkeitsparade geht vom Gate of India vorbei an den kilometerlangen Sitztribünen für die geladenen Gäste zum Präsidentenpalast.
Die Vorsichtsmaßnahmen sind sehr groß und die Polizei hat diverse Straßen gesperrt sowie Sandsäcke zum Eigenschutz aufgebaut.

Das war Mumbai in Indien, mein 40. Länderpunkt und 400. Marathon.

Weiter geht´s nach Hong Kong.

(Doris, Hiren und) Mario