Auf und ab in Hong Kong (Kapitel 2)

Bei der Startnummernausgabe hatten wir uns mit Yen, Philippe und Peter aus dem Countrymarathonclub verabredet.

Gelbhemden vor dem Start

Ziel erreicht - Medaille bekommen - Mission erfüllt.

Den Sieger trafen wir abends am Flughafen - natürlich der linke, denn der ist ja viel fröhlicher.

Das Gebäude der Bank of China

Was tagsüber schon beeindruckte, zog mich abends vollkommen in seinen Bann.

Die philippinischen und indonesischen Hausmädchen bevölkern die Innenstadt am Wochenende.

Kommen wir also zur Rückseite des Geschenkgutscheins zu Doris´ Geburtstag.
Schon vor ein paar Monaten wurde mir anlässlich meines runden Geburtstags in diesem Jahr von der besten aller Gattinen die Frage gestellt, ob wir denn reisetechnisch etwas im ersten Quartal vor hätten. Sie würde mir doch so gern auch mal eine Marathonreise schenken. Nachdem ich bestätigte, dass ich etwas geplant hätte, wurde sie nun konkreter und nannte den Ort, erkannte aber umgehend, dass eine organisierte Reise mit einem Veranstalter nicht die Art von "Abenteuer" wäre, die meiner Vorstellung entspricht.

Darum machte ich ihr auf der Rückseite einen Vorschlag, was ich mir so vorstellen könnte: Hong Kong.


Zu meiner Überraschung war Hiren bei der Offenlegung meines Plans sofort Feuer und Flamme, da er geschäftlich früher mehrfach in der Stadt gewesen ist - und diese Städte alle noch mal Marathon-technisch abhaken möchte.

Reisetipps holte ich mir von unserem ehemaligen Werkstudenten Bond, gebürtiger Hong Kong-Chinese.

Am Vortag des Laufs trafen wir 3 weitere Mitglieder des Country Marathon Clubs.

Der Start des Marathons war wieder sehr früh, für mich um 6:10, Doris und Hiren und 6:40 Uhr. (Obwohl die Temperaturen mit ca. 20°C. vormittags gut verträglich waren.)
Vorab verteilten einige Aktivisten gelbe Schweißbänder, mit denen man seine Sympathie zu einer frei aufgestellten Kandidatenliste bekunden konnte. Vor dem Start demonstrierte eine ca. 20 köpfige Gruppe ebenfalls dafür. Einige Läufer waren auch mit gelben Regenschirmen unterwegs, ebenfalls eine politische Willensbekundung.

Nach dem Start ging es Richtung Nordwesten in Richtung Containerhafen, der auf einer anderen Insel liegt. Nach dem Wendepunkt hatten wir ständig Gegenwind. Dazu kamen die Anstiege an den (inselverbindenden) Brücken und Tunnel. Und sogar auf der Hauptinsel kamen zwischen Kilometer 39 und 41 noch 2 Steigungen über Autobahnen. Am Ende habe ich 15 Anstiege gezählt.
Dafür war die Verpflegung mit Wasser, Iso, Schwämmen und später Obst sehr üppig - und auch noch bei den späteren Läufern ausreichend vorhanden.

Trotz der Anstiege und des Gegenwinds wollte ich mein Ziel, für mein aktuelles Ziel60-Spiel endlich international eine 3:22 zu laufen, nicht aufgeben. Dazu musste ich allerdings bis ins Ziel den 5er-Schnitt halten. Geholfen hat mir dabei ein jüngerer Läufer, der mich bei km 15 fragte, ob es mir keinen Späß brächte. Er hätte mich noch nicht lachen sehen - die Antwort sparte ich mir bis km 32 auf, als ich die ersten afrikanischen Tempomacher traf. Sie waren ausgestiegen, aber da es in einem Tunnel war, mussten sie bis zum Tunnelende weiterlaufen, um ins Betreuerfahrzeug zu steigen. Kurze Zeit später überholte ich auch den Fragesteller und teilte ihm mit, dass jetzt der Spaß beginnt.

Schlussendlich hat es auch für die anvisierte Zielzeit gereicht und nach 3:22:05 Stunden überquerte ich die Ziellinie.

Doris war nach 5:13:20, Hiren nach 4:42:04 im Ziel.


Eigentlich gab es sogar 2 Medaillen, denn die erste erhielten wir schon mit der Startnummer.
Fragt nicht warum, wir wissen es nicht - und es konnte uns auch niemand erklären.


Nach der Dusche im Hotel und einem gemeinsamen Abschlussessen in einem ital. Restaurant, verabschiedeten wir uns von Hiren, der zurück nach Mumbai flog. Wir flogen erst 4 Stunden später via Frankfurt nach Hamburg zurück.

Auf dem Flughafen trafen wir den Sieger und einen weiteren afrikanischen Läufer.
Der Sieger meinte, dieses Jahr lief es besser, weil nicht so kalt. Letztes Jahr hätten ihm die kühleren Temperaturen den Erfolg verhagelt. Über die (von uns genannten) Steigungen haben beide nur gelächelt.

 

Und nun zum Sightseeing:

Als wir am Donnerstag ankamen, hatten wir den Manhattan-Effekt!
Kopf in den Nacken, weil sich alles im Himmel abspielt.

Tatsächlich hat Hong Kong 8.000 Wolkenkratzer, mehr als doppelt soviele wie New York City.
Hiren sagte: "Die haben alles, nur keinen Platz. Darum bauen sie nach oben."

Nachts wird es bunt und leuchtend, teilweise taghell auf den Plätzen und einige Gebäude erzählen sogar Geschichten.

Ein weiteres Phänomen sind die ca. 300.000(!) philippinischen und indonesischen Hausmädchen, die in Hong Kong arbeiten und leben. (Zum Vergleich: Hong Kong hat 7,2 Mio Einwohner)

Da sie am Wochenende frei haben, treffen sie sich auf öffentlichen Plätzen, in Parks, auf Gehwegen, überall.
Sie bringen sich ihr Essen mit und machen Picknick.



Das war Hong Kong, Doris´ 40. Länderpunkt.

(Doris, Hiren und) Mario